Museum Für Sakrale Kunst In Incisa Valdarno

Im Jahr 2002 in den Räumlichkeiten des Oratoriums des Gekreuzigten und der angrenzenden Sakristei eingeweiht, versammelt das Museum religiöse Gemälde und Ausstattungsstücke von beachtlichem historischem und künstlerischem Wert aus den ländlichen Kirchen der Kommune.Das Gebäude folgt einem sehr einfachen architektonischen Schema: Die Fassade ist durch das Portal des 16. Jhs. geprägt, zu dessen Seiten sich zwei quadratische Öffnungen befinden, die dazu dienten, Almosen zu sammeln. Das Innere des Saalbaus ist die Frucht einer Neugestaltung des späten 17. Jhs.Das an ein Hospital für Arme und Kranke angeschlossene Oratorium wurde 1364 in Incisa gegründet mit Genehmigung des Heiligen Andrea Corsini, Bischof von Fiesole. Dennoch ist nicht gewiss, ob dieses erste Bauwerk mit dem aktuellen Oratorium des Gekreuzigten identifiziert werden kann. Mit Sicherheit existiert es ab dem 16. Jh. und wurde von der Compagnia di San Lorenzo al Castello gegründet, wie man an der Darstellung des Gitterrostes an der Fassade als Zeichen ihres Titularheiligen erkennen kann.
Der hölzerne Kruzifixus, der dem Oratorium seinen Namen gibt, wird in seinem Inneren verwahrt: Es handelt sich um ein Florentiner Werk vom Beginn des 16. Jhs., auch wenn der Legende nach das wunderwirkende Objekt bereits Mitte des 15. Jhs. hierher transportiert worden sein soll infolge einer Prozession der Kongregation der Buonomini di San Martino, die sich der Armenpflege verschrieben hatte und deren Kämmerer auch Jacopo di Biagio dall’Ancisa war. In jedem Fall führte die Anwesenheit des Kruzifixus dazu, dass sich das Oratorium in ein Pilgerziel für das gesamte Umland verwandelte.
Zu den ältesten Werken der Museumssammlung gehört die beschnittene Tafel der Madonna mit Kind aus San Lorenzo in Cappiano, geschaffen vom Meister von Barberino (dokumentiert zw. 1358 und 1369, aktiv bei der Ausstattung von Santa Maria Novella in Florenz in der Folge von Andrea Orcagna).Auf die ersten Jahre des 16. Jhs. gehen die Madonnen mit Kind von Sebastiano Mainardi (ca. 1460-1513) und Giuliano Bugiardini (1476-1555) zurück, beide Schüler von Ghirlandaio: Die erste Madonna wird von den Heiligen Dominikus, Laurentius, Johannes dem Täufer und Luzia begleitet und entstand für die Kirche San Lorenzo in Cappiano. Das zweite Gemälde wurde für die Kirche San Quirico in Montelfi geschaffen und zeigt zu Seiten der Jungfrau die Heiligen Quiricus, Julitta und Bartholomäus: Dabei stellt der Stifter im unteren Bildbereich möglicherweise ein Mitglied der Familie Castellani dar, die Eigentümer des Torre del Castellano genannten Kastells waren, von dem aus sie die Talebene beherrschten.Die wundervolle Leinwand des 17. Jhs. aus San Michele in Morniano mit dem Erzengel Michael, der Seelen fischt, ist von Caterina Caneva kürzlich Orazio Fidani (1606-1656) zugeschrieben worden, Schüler des mediceischen Malers und Goldschmieds Jean Bilivert, aktiv im Florentiner Umland und der Kartause von Galluzzo.In der Sakristei sind verschiedenartiges Kirchengerät, toskanische Paramente des 16. und 17. Jhs., ein schöner Sakristeischrank des 17. Jhs., eine Orgel aus dem 18. Jh. sowie zahlreiche Reliquiare und Votivgaben ausgestellt, die die volkstümliche Verehrung des Kruzifixus bezeugen.Kürzlich wurde die Museumssammlung durch die wertvolle Kapuze eines Chormantels bereichert, die die Steinigung des Heiligen Stefan darstellt und zwischen dem 15. und 16. Jh. in Spanien hergestellt wurde.

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