Museum Für Sakrale Kunst Der Stiftskirche Santa Maria In Figline E Incisa Valdarno

In zwei Räumen, die der Sakristei der Stiftskirche Santa Maria in Figline angefügt sind, ist eine kleine aber wertvolle Sammlung sakraler Kunst eingerichtet, die 1983 eröffnet wurde. Das Museum, das den Kirchenrundgang komplettiert, beherbergt eine Sammlung von Gemälden, Kirchengerät, Goldschmiedekunst, Paramenten und mit Miniaturen verzierten Handschriften die aus der Stiftskirche stammen bzw. aus den umliegenden Kirchen von Figline.
{slider = Die Tabelle des Meisters von Figline}
In der Kirche ist das wunderschöne Tafelgemälde der Madonna mit dem Kind, den Heiligen Elisabeth von Ungarn, Ludwig von Toulouse und sechs Engeln des Meisters von Figline zu sehen. Das Kunstwerk stammt aus einer Zeit nach 1317, dem Jahr der Heiligsprechung Ludwigs von Toulouse, Prinz aus dem Geschlecht der Anjou, der auf den französischen Thron verzichtete, um Franziskanermönch zu werden. Seine Präsenz, ebenso wie diejenige der Elisabeth als andere wichtige Franziskanerheilige, lässt die Herkunft der Tafel aus einer diesem Orden zugehörigen Kirche vermuten. In Ermangelung von eindeutiger Dokumentation kann man den ursprünglichen Aufstellungsort in der Kirche San Francesco in Figline nurmehr annehmen. Der grandiose Thron der Jungfrau ist nach einer kühnen Erfahrungsperspektive gestaltet, die an die Werke des Cimabue und des Giotto in Assisi erinnern. Gegen Ende des 15. Jhs. wurde das Gemälde vervollständigt mit zwei Darstellungen von Engeln, die sich heute im Museum befinden und einem Künstler aus dem Umkreis des Ghirlandaio, möglicherweise Bartolomeo di Giovanni, zuzuordnen sind.
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{slider = Der erste Raum}
Sodann befindet sich in der Kirche ein 1539 datiertes Gemälde der Madonna mit dem Kind und den Heiligen Rochus und Romulus, das man dem aus den Marken stammenden Maler Giovanni Andrea de Magistris zuschreiben kann. Romulus hält dabei in seinen Händen ein kleines Modell der Stadt Figline, die Teil der Diözese Figline war, deren Patron der Heilige war.
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{Slider = Der zweite Raum}
Der erste Ausstellungsraum des Museums beherbergt ein teilweise glasiertes Terrakottarelief der Della Robbia: Das Inkarnat des Heiligen besteht aus nachträglich aufgetragener Ölfarbe. Das den Heiligen Josef darstellende Werk ist um 1505-1510 zu datieren und stammt aus der Stiftskirche. Im gleichen Raum ist eine Reihe interessanter Zeichen aus farbig gefasstem Holz ausgestellt, die die Symbole der Passion Christi darstellen und während der Karfreitagsprozession Verwendung fanden. Diese im 19. Jh. entstandenen Objekte stammen aus der Kirche San Michele in Pavelli.
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{Slider = Der dritte Raum}
Im zweiten Raum sind vier großformatige Bilder untergebracht, unter denen die großartige Tafel des Martyriums des Heiligen Laurentius herauszuheben ist. Das von Ludovico Cardi genannt Cigoli (1559-1613) gemalte Gemälde ist auf etwa 1590 zu datieren und gehörte ursprünglich in das Oratorium der dem Märtyrer Laurentius geweihten Bruderschaft des Spedale Serristori in Figline. Die Familie Serristori zählt zu den ersten Auftraggebern des jungen Cigoli, in einer Phase, als er unter besonderem Einfluss Passignanos stand und gerade aus Venedig zurückgekehrt war, wo er seine Palette um weiche und leuchtende Farben bereichert hatte. Das Werk wurde 1783 von den Medici erworben und gelangte in den 1980er Jahren wieder nach Figline, nachdem es eine Zeitlang in den Depots der Florentiner Galerien untergebracht war. Im selben Raum finden drei mit Miniaturen verzierte Handschriften Ausstellung: Davon sind besonders die beiden illuminierten Graduale (liturgische Choralbücher) der zweiten Hälfte des 15. Jhs. zu beachten, in denen man Jugendwerke des Florentiner Buchmalers Attavante degli Attavanti (1452-1520) vermuten kann.

Durch ein schönes Portal aus „pietra serena“ betritt man den dritten Ausstellungsraum: Dort befinden sich liturgische Gewänder und Kirchengerät aus dem 16. bis 19. Jh. Man findet hier ein Polyptychon mit der Anbetung der Könige im Zentrum flankiert von den Heiligen Andreas, Johannes der Täufer, Jakobus und Antonius (Abt), welches im Jahr 1436 von dem Florentiner Andrea di Giusto Manzini (dokumentiert zwischen 1420 und 1450) geschaffen wurde und seit Kurzem aus der Kirche Sant’Andrea in Ripalta in das Museum gelangte. Es handelt sich um ein sehr üppiges Kunstwerk, das im unteren Bereich von einer Predella mit Szenen aus dem Leben des Apostels Andreas komplettiert wird, zu deren Seiten zwei Stifterfiguren knien. Eine dieser Personen ist Dank der Inschrift als Bernardo di Tommaso Serristori zu identifizieren. In den seitlichen Giebelfeldern spielt sich die Szene der Verkündigung ab, während Heilige und Propheten in den Zwickeln dargestellt sind. Der spätgotische Stil des Malers verrät die Kenntnis der Werke des Bicci di Lorenzo, Masolino und Lorenzo Monaco, aber auch der Formensprache der Renaissance (Masaccio, Beato Angelico).
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{Slider = Die Sakristei}
In der Sakristei, deren Gewölbe mit Freskenszenen der Opferung Isaaks von Tommaso Gherardini (1715-1797) geschmückt ist, wird unter anderem ein Leinwandgemälde des Heiligen Stanislas Kostka ausgestellt, das um 1859 von Egisto Sarri (1837-1901) geschaffen wurde, ein Künstler der „historischen Romantik“, der in Figline geboren wurde. Vom gleichen Maler stammt das Hinscheiden des Heiligen Josef (1862), das ursprünglich aus der Kirche San Pietro in Viesca kommt.
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