Museum Für Sakrale Kunst In Tavarnelle Val Di Pesa

Das Museum für sakrale Kunst in Tavarnelle ist in den Räumen des Obergeschosses im Pfarrhaus neben der Pfarrkirche von San Pietro in Bossolo eingerichtet. Die Sammlung wurde 1989 zusammengestellt aus Werken der Kirchen des Gemeindegebietes, von denen einige bereits im Pfarrhaus von San Pietro und in der Kirche Santo Stefano al Ponte in Florenz ausgestellt worden waren. Das Museum beherbergt hauptsächlich Gemälde des 13. bis 18. Jhs., liturgische Objekte und eine kleine Sammlung von Votivgaben.
Die Pfarrkirche San Pietro in ihrer aktuellen Struktur geht vermutlich auf die zweite Hälfte des 11. Jhs. zurück und hat ihre ursprüngliche Disposition mit drei Kirchenschiffen, Apsiden und Pfeilerarkaden bewahrt, vor allem dank der Wiederinstandsetzungsarbeiten von 1946/47, bei denen man spätere barocke Elemente entfernte. Die der Fassade vorgelagerte Säulenhalle fügte man im 16. Jh. hinzu; gleichzeitig erfolgte eine Umstrukturierung des Pfarrhauses, in dem die Gemeinschaft der Pfarrpriester wohnte, welche Messdienste in den der Hauptpfarrei untergeordneten Kirchen versahen. Außerdem war die Pfarrkirche der einzige Ort des Gebietes, in der man die Taufe vollziehen durfte: Während einer Grabungskampagne der 1960er Jahre wurden unter anderem die Fundamente einer alten Taufkirche vor dem Kirchengebäude entdeckt und ein großes steinernes Taufbecken, welches heute in San Pietro zu sehen ist.
Das Museum enthält einige Vitrinen mit liturgischen Objekten des 15. bis 20. Jhs., die hauptsächlich aus den nahegelegenen Kirchen Santa Lucia al Borghetto, San Lorenzo in Vigliano, Santa Maria al Morrocco wie auch aus San Pietro in Bossolo kommen. Aus letzterer stammen zwei Vortragekreuze, die ins 13. Jh. zu datieren sind.Auch das älteste Gemälde der Museumssammlung geht auf die zweite Hälfte des 13. Jhs. zurück: Es handelt sich um eine Madonna mit Kind auf Goldgrund in byzantinischem Stil, der für die Florentiner Malerei dieser Zeit charakteristisch war. Die Tafel wird Meliore di Jacopo zugeschrieben, stammt ursprünglich aus San Michele a Casaglia und gelangte bereits vor vielen Jahren nach San Piero. Aus San Giusto in Petroio dagegen gelangte im Jahr 1718 die Madonna mit Kind von Rossello di Jacopo Franchi vom Beginn des 15. Jhs. im Rahmen einer großen Prozession in eine eigens errichtete Kapelle in San Pietro, denn das Gemälde wurde als wundertätig angesehen. Historische Fotografien bezeugen Goldschmiedearbeiten (Kronen, Ringe), die man zu dem Gemälde hängte als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit: Diese und andere Hinzufügungen entfernte man 1995 während der Restaurierungsarbeiten.Im Museum sind ebenfalls Tafelgemälde aus dem Heiligtum von Santa Maria al Morrocco, etwas außerhalb von Tavarnelle, ausgestellt. Der Florentiner Neri di Bicci schuf die Gemälde in den 1470er Jahren für die drei Altäre der Kirche, die kurz zuvor von Niccolò Sernigi errichtet worden war: Das größte von ihnen zeigte die Dreifaltigkeit von der nur noch die beiden Fragmente der Madonna mit dem Heiligen Sebastian sowie die Heiligen Johannes Evangelist und Rochus existieren; die Seitenaltäre zierten die Beweinung Christi und eine Stillende Maria mit Heiligen.Unter den Werken des Museums seien weiterhin genannt das Ugolino di Nerio zugeschriebene Triptychon der Madonna mit Kind und den Heiligen Petrus und Johannes Evangelist, Lorenzo di Biccis Madonna mit dem Kind vom Ende des 14. Jh., die Madonna mit dem Kind und den Heiligen Martin und Sebastian desMeisters von Tavarnelle und die Madonna mit dem Kind und dem Johannesknaben des Künstlers Empoli, die respektive vom Beginn bzw. dem Ende des 16. Jhs. stammen.Die Museumssammlung umfasst weitere Gemälde des 16. bis 18. Jhs.: ein mit Buchmalereien versehenes Choralbuch des 14. Jhs., einen mächtigen Reliquienaltar, zahlreiche Paramente und einige interessante, ins 11. Jh. zu datierende Steintafeln aus der Pfarrkirche von Bossolo.
Im Erdgeschoss findet sich außerdem eine kleine Ausstellung zur so genannten „Tavarneller Stickerei”, eine besondere Art der Spitze. Diese wurde zu Beginn des 20. Jhs. von einer Ordensschwester erfunden und von den Frauen des Umlandes von Tavarnelle weiterentwickelt. Die Stickerei wird zur Dekoration von Kleidern eingesetzt, aber vor allem zum Schmuck der Aussteuerwäsche verwendet.In den angrenzenden Räumen ist zusätzlich eine kleine, aber reichhaltige Ausstellung von Objekten zur bäuerlichen Kultur zu sehen, die originale Werkzeuge und mechanische Nachbildungen von landwirtschaftlichen Geräten und Arbeitstätigkeiten beinhaltet.

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