Museum Für Sakrale Kunst In Vallombrosa (Reggello)

Das Kloster Santa Maria in Vallombrosa, Mutterhaus des Ordens der Vallombrosaner, entstand an dem Ort, an welchem der Ordensgründer Giovanni Gualberto um die Mitte des 11. Jhs. eine erste einfache Kapelle für eine kleine Gruppe von Mönchen errichtete, die mit ihm als Einsiedler leben wollten. Das großartige Erscheinungsbild des heutigen Klosterkomplexes geht auf das 15. und 17. Jh. zurück, bis auf den Glockenturm aus dem 12. Jh. Die Kirche hingegen besitzt eine spätbarocke Ausstattung aus dem 18. Jh.
{Slide = Das Museum}
Das im Juni 2006 eröffnete Museum ist im hinteren rechten Bereich des Gebäudekomplexes untergebracht. Es beherbergt einen Großteil des Bestandes der Abtei an Kunstwerken und auch einige Objekte, die aus anderen Vallombrosaner-Institutionen, wie etwa Santa Trinità in Florenz.

Im großen Saal ist eine Auswahl an verschiedenen Schatzstücken ausgestellt: Kirchengewänder, Gemälde, Bücher und mit Miniaturen versehene Handschriften, Gebrauchsgegenstände wie Majoliken oder alte Messbücher. Außerdem ist eine wichtige Auswahl an so genannten „scagliole“ (Stuckmarmorarbeiten) zu sehen, die die künstlerische Aktivität des Abtes Enrico Hugford belegen, der während des 18. Jhs. diese Technik zur höchsten Vollendung brachte. Man erhält dabei durch den Einsatz von Selenitpulver, das mit Farbpigmenten versetzt wird, einen Teig, den man in definierte Schablonen auswalzen und so eine Art von Intarsie herstellen kann.
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{Slider = Die Altoviti-Ornat und Madonna von Ghirlandaio}
In diesem Saal treten zwei Objekte besonders hervor, die anlässlich der Museumseröffnung ihren Weg zurück in das Kloster fanden, wo sie 1810 infolge der Napoleonischen Säkularisation entfernt worden waren. Eines ist der berühmte Altoviti-Ornat, zusammengesetzt aus einer Altardecke, zwei Dalmatiken und einer Kasel, die aus wertvollen, reich bestickten Stoffen gefertigt wurden und den Äbten Francesco Altoviti (1454-1479) und Biagio Milanesi (1480-1513/14) zuzurechnen sind, also zwischen Mitte und Ende des 15. Jhs. entstanden. Das andere Hauptstück der Sammlung ist das große, vermutlich durch den Abt Milanesi beauftragte Tafelgemälde der Madonna mit dem Kind und den Heiligen Blasius, Giovanni Gualberto, Benedikt und Antonius (Abt) von Domenico Ghirlandaio und seiner Werkstatt, welches infolge einer langen und komplexen Restaurierung wieder in kräftigen Farben leuchtet. Beide Werke stammen aus den Depots der Florentiner Galerien, für die sie im 19. Jh. erworben worden waren.
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{Slider = Codes, Bücher und Goldschmiede }
Einige Vitrinen zeigen alte gedruckte Bücher, aber auch illuminierte Handschriften (13.-15. Jh.), von denen viele aus der Bibliothek der Abtei stammen. Der T-förmige Krückstock, ein in Elfenbein, Silber und Emaille gearbeitetes, zwischen dem 14. und 16. Jh. entstandenes Artefakt, erinnert in seiner Form an den Stab des Heiligen Giovanni Gualberto und symbolisiert die Macht und Befugnisse des Abtes von Vallombrosa.
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{Slider = Antike in Vallombrosa gesammelt}
Im angrenzenden Schatzraum ist Kirchengerät des 14. bis 20. Jhs. ausgestellt, darunter Kelche, Ostensorien und Reliquiare. Zu den beeindruckendsten Werken zählt hier das aus Gold, Emaille und einem Saphir bestehende Reliquiar des Heiligen Nagels, welches der Heilige Ludwig IX., König von Frankreich, um 1230 im Tausch mit der Reliquie der Hand des Heiligen Giovanni Gualberto stiftete. Der Arm des Heiligen, welcher der Legende zufolge durch Engel von der Abtei in Passignano, wo der Heiligenleib verwahrt wird, hierher gebracht wurde, wird in einem Armreliquiar aus vergoldetem Silber, Emaille und Edelsteinen verwahrt. Es wurde von Abt Milanesi bei dem berühmten Goldschmied Paolo di Giovanni Sogliani in Auftrag gegeben, der es 1500 vollendete.

Das Museum ist nicht die erste Einrichtung dieser Art in Vallombrosa, da das Kloster bereits im 18. Jh. über eine abwechslungsreiche Sammlung von archäologischen Funden, Fossilien und Kunstwerken verfügte, die der Abt Lotario Bucetti (1791-1792) zusammentrug. Zwar wurde diese Sammlung im Zuge der Säkularisation 1810 fast komplett verstreut, doch zeugt ein altes Inventar noch von ihrer Reichhaltigkeit.

Die genannte Napoleonische Einziehung der Kirchengüter führte zur Vereinzelung vieler Werke der Abtei, die sich heute in Florenz befinden: Die Hauptaltarstafel der Verkündigung von Perugino (zwischenzeitlich ersetzt durch eine Leinwand von Volterrano gleichen Inhalts) befindet sich heute in der Galleria dell’Accademia; die von Andrea del Sarto für den „Romitorio delle Celle“ geschaffene so genannte Pala Vallombrosana befindet sich heute in zerstückeltem Zustand in den Uffizien.
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