Museum Von San Francesco In Greve In Chianti

Der Komplex des Museums von Greve in Chianti umfasst die Räumlichkeiten des ehemaligen Oratoriums San Francesco und dessen Sakristei wie auch einige Räume im Obergeschoss. Im Jahr 2002 eröffnet, werden hier Gemälde, Skulpturen, liturgische Gewänder und Goldschmiedearbeiten aus den Kirchen des Gebietes der Kommune Greve ausgestellt.Das Oratorium wurde vermutlich am Beginn des 16. Jhs. errichtet als Teil eines Komplexes, der außerdem ein Hospital für wandernde Franziskanerbrüder umfasste, welches dem Konvent La Croce in San Casciano Val di Pesa unterstand. Die Bedeutung der franziskanischen Präsenz auf dem Gebiet von Greve lässt sich an der Häufigkeit ablesen, mit der der Ordensgründer Franziskus in den Werken der Museumssammlung dargestellt ist. Im Oratorium selbst haben sich Überreste von Fresken des 18. Jhs. erhalten, so beispielsweise Die Verherrlichung des heiligen Franziskus im Gewölbe.
Der heilige Franziskus gehört zum Bildpersonal des in bemalter Terrakotta ausgeführten Altarstückes der Beweinung Christi. Dieses hat sich anscheinend an seinem ursprünglichen Aufstellungsort, dem Altar des Oratoriums, erhalten und entstand wahrscheinlich im Umkreis des Baccio da Montelupo (zweites Jahrzehnt des 16. Jhs.). Der mit Festons geschmückte Rahmen aus glasierter Terrakotta gehört nicht ursprünglich zum Werk. Auch auf dem Marmorrelief vom Beginn des 15. Jhs., das aus der Kirche San Pietro a Sillano stammt, ist Franziskus abgebildet. Zwar ist die Provenienz unbekannt, doch kann man das Relief Pasquino da Montepulciano zuschreiben, ebenso wie den Marmoraltar mit der Wiederauffindung des Bildes der Jungfrau von Impruneta im Schatzmuseum dieses Ortes. Eine weitere Darstellung des Heiligen aus Assisi gemeinsam mit dem heiligen Bartolomäus findet sich in der Sacra Conversazione des Francesco Granacci von etwa 1498, ein wegen unachtsamer Reinigung schlecht erhaltenes Gemälde. Im Oratorium ist überdies das Gemälde Mariä Verkündigung zu sehen, welches aus der Kirche Santa Croce in Greve stammt, die im 19. Jh. säkularisiert wurde. Als ältestes Werk des Museums zeigt es charakteristische Züge der Florentiner Malerei des 14. Jhs., wie die recht detailliert dargestellte Architektur, die Maria umgibt. Das Tafelgemälde vom Beginn des 16. Jhs. Madonna mit dem Kind und dem Johannesknaben sowie den Heiligen Antonius Abt, Lucia und zwei Stiftern zeigt mit den Letztgenannten möglicherweise zwei Mitglieder der Familie Bardi, Feudalherren der Ortschaft Sezzate, deren Burg im Bildhintergrund deutlich zu erkennen ist.
In der Sakristei sind liturgische Gewänder des 16. bis 18. Jhs. wie auch Kirchengerät zu sehen. Die kleine Buntglasscheibe mit dem heiligen Silvester vom Beginn des 16. Jhs. aus der Kirche San Silvestro a Convertoie hat man in einen kleinen Beichtstuhl integriert. Die Tafel mit den Häuptern von St. Peter und Paul, die der Heilige emporhält, spielt auf die Begebenheit an, als Silvester dem Kaiser Konstantin Porträts der beiden Apostel zeigt, woraufhin dieser sie als Protagonisten eines seiner Träume wiedererkennt. Die Scheibe wurde vermutlich in der Werkstatt der Gesuaten-Brüder in San Giusto alle Mura in Florenz hergestellt.Im Raum der Goldschmiedearbeiten im ersten Obergeschoss ist zahlreiches Kirchengerät ausgestellt: Reliquiare, Ostensorien, Hostienbehälter, Kelche und andere Objekte, die zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden und aus den Kirchen der Umgebung von Greve stammen. Zu sehen ist ebenfalls eine Glocke der Kirche Santa Maria in Vicchiomaggio aus dem Jahr 1312. Aus Elfenbein geschnitzt ist die kleine Paxtafel mit Maria und dem heiligen Johannes Evangelist (das zentrale Kruzifix fehlt), die während des Gottesdienstes zur Weitergabe des Friedenskusses diente. Ende des 14. Jh. wurde sie in der Florentiner Werkstatt der Embriachi geschaffen, die auf Elfenbeinobjekte spezialisiert war. Das nur noch wenige Farbreste aufweisende Stuckrelief der Madonna mit Kind von Nanni di Bartolo vom Ende des 15. Jhs. basiert auf Vorlagen von Lorenzo Ghiberti.
Nach dem Bereich für Wechselausstellungen, endet der Rundgang im Gemäldesaal, der Leinwandbilder des 17. Jhs. beherbergt, wie etwa Francesco Boldrinis Rosenkranzmadonna mit Heiligen, Francesco Curradis Mariä Himmelfahrt mit den Heiligen Lucia und Antonius von Padua und eine weitere Himmelfahrt Mariens aus dem Umkreis von Jacopo Vignali. Zum Großteil entstammen diese und andere Werke den Kirchen der Umgebung, doch gehört eine kleine Anzahl der Schenkung Donna Rosa Libri Del Rosso aus dem späten 19. Jh. an, wie beispielsweise das der emilianischen Schule zuzurechnende Gemälde Petrus im Kerker.

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