Masaccio-Museum Der Sakralen Kunst Von San Pietro A Cascia Di Reggello

Die romanische Pfarrkirche von San Pietro a Cascia wurde in der Nähe der Cassia vetus genannten Straße wahrscheinlich Ende des 12. Jhs. errichtet. Am Außenbau ist die schöne Säulenvorhalle zu bewundern, während das Innere aus drei Kirchenschiffen besteht, die von Säulen mit vegetabilen bzw. figürlichen Kapitellen unterteilt sind. Das Mittelschiff endet in einer halbrunden Apsis. Die Nüchternheit der Wände in rohem Stein verdankt sich einer Restaurierung der 1960er Jahre, bei der die Hinzufügungen des 16. bis 18. Jhs. entfernt wurden, wie etwa die Seitenaltäre aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. In der Kirche sind einige Kunstwerke zu besichtigen wie das abgenommene Fresko der Verkündigung von Mariotto di Cristofano, ein Künstler, der am Beginn des 15. Jhs. aktiv war, oder das kürzlich restaurierte Leinwandgemälde der Madonna mit dem Kind und den heiligen Johannes Evangelist und Mauritius(?).
Das Museum wurde im Jahr 2002 in den Räumlichkeiten nahe der Kirchenapsis eingerichtet. Neben dem berühmten Triptychon von San Giovenale von Masaccio beinhaltet die Sammlung Gemälde und liturgisches Gerät aus Cascia und anderen Kirchen der Region von Reggello. Besonders reichhaltig ist die Sektion der Messgewänder, die Beispiele aus dem 15. bis 18. Jh umfassen. Zur Ausstellung gehört auch eine Reihe russischer Ikonen des 18. bis 20. Jhs. und einige Objekte zur Ausübung jüdischer Zeremonien, die durch den amtierenden Pfarrer Ottavio Failli zusammengetragen wurden. Der Raum, der das Pfarrarchiv beinhaltet, wurde mit den Porträts der ehemaligen Pfarrer des 18. und 19. Jhs. ausgestattet.
Viele der ausgestellten Kunstwerke des ersten Ausstellungsraumes wurden für die Pfarrkirche in Cascia geschaffen, gelangten aber in den 1960er Jahren nach Florenz. An ihren Ursprungsort zurückgekehrt sind hier unter anderem die Madonna mit dem Kind und den Heiligen Rochus, Peter, Paul, Sebastian und dem Stifter Roberto Folchi, Bischof von Fiesole, ein Gemälde der Werkstatt von Domenico Ghirlandaio das an der Wende vom 15. zum 16. Jh. entstand; die Madonna mit dem Kind, dem Erzengel Michael und dem Heiligen Sebastian, datiert 1575 und signiert von Agnolo Guidotti, der einzig durch diese Gemälde belegt ist; die Verkündigung, die zwar die durch Restaurierungsmaßnahmen zutage getretene Signatur „Bronzino“ trägt, aber dennoch von Alessandro Allori (1535-1607) geschaffen wurde; die Verzückung des Heiligen Antonius von Padua ist 1655 datiert und signiert von Jacopo Vignali (1592-1664). Die Beweinung Christi von Santi di Tito (1536-1603) aus dem Jahr 1601 ist erst im 18. Jh. im Zusammenhang mit der Kirche San Pietro bezeugt, weshalb der ursprüngliche Aufstellungsort unsicher bleibt.
Dem Triptychon von San Giovenale ist ein ganzer Ausstellungsraum gewidmet und mit dokumentarischen sowie didaktischen Materialien ausgestattet. Das Gemälde stellt im Zentrum die Madonna mit dem Kind zwischen zwei Engeln dar, die Heiligen Bartholomäus und Biagio zu ihrer linken Seite und rechts die Heiligen Giovenale und Antonius (Abt). Es ist das erste Werk, das dem berühmten Masaccio (1401-1428) sicher zugeschrieben werden kann: Am unteren Rand der zentralen Tafel ist das Datum 23. April 1422 vermerkt: “ANNO DOMINI MCCCCXXII A DI VENTITRE D’AP[rile]”. Da sich Masaccio nur vier Monate zuvor in die Florentiner Gilde der Mediziner und Drogisten (denen die Maler angehörten) eingeschrieben hatte, kann man davon ausgehen, dass er den Auftrag in Florenz ausführte, auch wenn das Gemälde für die kleine Kirche San Giovenale, unweit von Cascia bestimmt war. Das Werk zeigt bereits eine komplette Loslösung von den Stilelementen der internationalen Gotik und ein frühes Interesse an den künstlerischen Neuerungen der Renaissancekunst.
Die so genannte „Kammer des Pfarrers“ ist ein Räumchen, dessen mit Fresken dekorierte Wände dank einer kürzlichen Restaurierung ans Licht gekommen sind: Man erkennt fingierte Architekturen und fantastische, aber auch reale Landschaftsansichten, wie diejenige der Pfarrkirche von Cascia. Die Dekoration geht vermutlich zurück auf den Perspektivmaler Giuseppe del Moro (1718-1781), der mit seiner Werkstatt in Florenz und Vallombrosa in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. tätig war.

www.museomasaccio.it

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