Das Oratorium der Heiligen Katharina in Bagno a Ripoli

Das Oratorium der Heiligen Katharina wurde bis 1354 an den Hängen der Anhöhe von Baroncelli auf dem Gut von Rimezzano errichtet von den Söhnen Jacopo und Giovanni des Alberto degli Alberti und seinen Neffen Bernardo und Benedetto, die auf dem Gebiet von Santa Maria all’Antella viel Grundbesitz hatten. Die äußeren Wände des Gebäudes sind aus behauenen Bossenquadern des lokalen Kalksteins „pietra alberese“ in regelmäßiger Mauerweise zusammengefügt; die Fassade mit Satteldach besitzt ein zentrales Rundfenster, ein Vordach und ein Portal, dessen Lünette einstmals freskiert war. Hinter der Kapelle erhebt sich ein kleiner aufgesetzter Glockenturm. Das Innere ist in zwei Jochen mit Kreuzgratgewölben gebildet und endet in einem kleinen Altarraum, der in einen großen Spitzbogen eingeschrieben ist.
Das erste Joch und den Altarraum schmücken prächtige Fresken der Geschichte der Heiligen Katharina von Alexandrien, Schutzheilige der Richter und Notare, die das ganze Mittelalter hindurch wegen ihrer Weisheit verehrt wurde. Die Dekorationskampagne wurde um das Jahr 1360 in Angriff genommen und begann im Bereich des Altarraumes, wo Szenen des Martyriums der Heiligen und andere religiöse Motive dargestellt sind. In dieser ersten Phase waren der so genannte Meister von Barberino (zwischen 1357 und 1369 dokumentiert) und Pietro Nelli (dokumentiert ab 1374 bis zu seinem Tode 1419) tätig, die beide von den Werken der wichtigsten Giotto-Schüler (Maso di Banco und Bernardo Daddi) beeinflusst waren wie auch von Andrea Orcagna.Nach 30 Jahren des Stillstands wurden die Dekorationsarbeiten 1387 wieder aufgenommen auf den ausdrücklichen testamentarischen Willen des Benedetto di Nerozzo degli Alberti hin. Um die Freskierung ab dem Triumphbogen weiterzuführen, engagierte man Spinello Aretino (1346/48-1411), einen fähigen Maler, der gegen Ende des Jahrhunderts sehr anerkannt war. Der Künstler bemalte das erste Joch mit acht weiteren Szenen des Lebens der Titularheiligen und schuf so einen homogenen Zyklus, der Wände und Lünetten schmückt. Rechts oben erkennt man die Bekehrung und die Taufe der Heiligen Katharina durch einen eremitischen Mönch. Im mittleren Register befindet sich die Mystische Vermählung der Heiligen mit dem Jesusknaben und die Szene der Weigerung der Heiligen Katharina, ein Idol anzubeten, wie Kaiser Maxentius es ihr befohlen hatte. An der gegenüberliegenden Wand erkennt man oben den Disput Katharinas mit den heidnischen Philosophen und die Verbrennung der Philosophen, das heißt das Martyrium derjenigen, die Katharina zum Christentum hatte bekehren können. Im unteren Register zeigt eine doppelte Kerkerszene die Bekehrung der Kaiserin und des Heerführers Porphyrius und den Besuch Christi bei der Heiligen. Es folgt die Enthauptung des Porphyrius und der konvertierten Soldaten. Die Geschichten enden über dem Triumphbogen mit der Heiligen Katharina, die zum Martyrium geführt wird, und dem Martyrium der Heiligen durch Enthauptung. Darüber ist dargestellt, wie Engel den Leichnam Katharinas auf den Sinai tragen. In den Gewölbekappen erkennt man die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen, während Büsten von Propheten die Zierleisten der Wände schmücken. Häufig tauchen die Wappen der Familie Alberti auf, die mit den vier kreuzförmigen Ketten auf blauem Grund auch teilweise die Gewölberippen zieren.Auf dem Altar befindet sich eine Kopie des Triptychons, welches Agnolo Gaddi (ca. 1350-1396) für das Oratoriuim schuf. Das Original wurde 1921 entwendet und befindet sich nach der Wiederauffindung in den Depots der Uffizien.
Mit dem Ruin der Familie Alberti begann für das Oratorium eine lange Phase des Verfalls. Im Jahr 1626 ließ der Rektor Francesco Venturi die Sakristei wiedererrichten und eine Türöffnung zum Kirchenraum brechen, die den Verlust des unteren Teils der von Pietro Nelli gemalten Figur des Antonius (Abt) zur Folge hatte. Vermutlich war Venturi auch für die Übertünchung der Fresken des Altarraumes verantwortlich, während diejenigen Spinellis immer sichtbar blieben, auch während der Zeit, als das Oratorium landwirtschaftlich genutzt wurde. Das Interesse am Schicksal des Oratoriums wurde mit dem beginnenden 19. Jh. wieder entfacht, doch erst am Beginn des letzten Jahrhunderts wurden Restaurierungsmaßnahmen an den baulichen Strukturen und den Fresken eingeleitet. Der letzte dieser Eingriffe geht auf die Jahre 1996-98 zurück. Nach verschiedentlichem Wechsel der Besitzverhältnisse konnte die Kommune von Bagno a Ripoli das Oratorium 1988 erwerben.

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